Kamakia: Puppe stalkt Ferienliebhaber

20. Feb. 2011  |  Veröffentlicht in Auf der Leinwand, Deutsches Kino

„Die Männer haben nur gearbeitet und geschlafen“, sagt ein gealterter Kamaki über die Deutschen, „da kamen wir ins Spiel!“ Jasin Challah schickt in seiner 30 minütigen Dokumentation „Kamakia – die Helden der Insel“ seine Handpuppe Kosta Rapadopoulos auf die Suche nach den Kamakia, jene berüchtigten Ferienliebhaber, die sich um romantisch unbefriedigte Griechenland-Touristinnen gekümmert haben. Kamaki – das ist eigentlich eine dreizackige Harpune; ein Symbol für den jagenden griechischen Adonis. Kostas Reise gibt tiefe Einblicke in seine Jagdstrategien: Die Frau lässt sich schwer von ihrem Schlüpfer trennen? Abhilfe schafft ein Heiratsversprechen! Die Arbeit hält vom Flirten ab? Lass die Frauen für dich sorgen! Die 100 besten Kamakia der Insel Rhodos, so erzählt einer von ihnen, mussten nicht mehr arbeiten, weil sie regelmäßig Schecks in der Post fanden. Kosta beendet seine Expedition aber ernüchtert: Die Kamakia sind vom Aussterben bedroht – die Angst vor Aids raubt ihnen die Potenz und der Nachwuchs spielt lieber Computer als an Blondinen herum.

Eine Handpuppe als Protagonisten gab es laut Linda Söffker, Chefin der Perspektive Deutsches Kino, im zehnjährigen Bestehen der Sektion noch nie. Kosta Rapadopoulos rettet den Film davor, in irgend einer Art und Weise moralisierend oder allzu ernst zu wirken. Leider weiß der Zuschauer über die Puppe trotz manigfaltiger Bildpräsenz so viel wie über Gerhard Delling nach 117 Minuten Sportschau. Ein besser durchdachter Kosta hätte Kamakia und Touristinnen mit lustigeren und vielfältigeren Witzen bombardiert.

von Ralf Fischer

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